Inhalt und Ziel des Forschungsprojekts

Die Produktion landwirtschaftlicher Rohstoffe wie Kaffee, Kakao oder Palmöl ist mit anhaltenden ökologischen und sozialen Problemen verbunden, darunter Entwaldung, Zwangs- und Kinderarbeit sowie Armut unter Kleinbäuerinnen und Kleinbauern. Die Transformation von Agrar- und Ernährungssystemen stellt daher eine zentrale Herausforderung nachhaltiger Entwicklung dar. Europäische Regierungen versuchen derzeit, diese Transformation durch verbindliche Nachhaltigkeitsregulierungen für Lieferketten voranzubringen, etwa durch Sorgfaltspflichtenregelungen und Importbeschränkungen.

Das Projekt nutzt dieses Beispiel transformativer Politikimplementierung, um zu untersuchen, wie Regulierungsbehörden Nachhaltigkeitstransformationen erfolgreich anstossen können. Im Zentrum steht dabei, wie Erwartungen über die Zukunft – insbesondere bezüglich regulatorischer Compliance, der Strenge von Vorschriften und ihrer Durchsetzung – zwischen Regulierungsbehörden und regulierten wirtschaftlichen Akteuren ausgehandelt werden und wie solche Erwartungen heutige Entscheidungen über vorbereitende Maßnahmen beeinflussen (die politische Ökonomie von Erwartungen).

Das Projekt verfolgt eine dreifach vergleichende Perspektive: Es vergleicht die Politikimplementierung in drei Sektoren (Kaffee, Kakao, Palmöl), in drei Themenfeldern (Entwaldung, Zwangs- und Kinderarbeit sowie existenzsichernde Einkommen) und in zwei Produktionsländern (Kolumbien und Côte d’Ivoire). Dabei werden mehrere Methoden eingesetzt, darunter Q-Methodologie, Umfrageforschung mit einem Conjoint-Experiment, Process Tracing, Diskursanalyse sowie computergestützte Text-als-Daten-Analysen.

EXPECT-AGRI ist in fünf Arbeitspakete gegliedert:

  • AP1 kartiert die Erwartungen verschiedener Stakeholder.
  • AP2 untersucht, wie gesetzliche Compliance ausgehandelt und definiert wird.
  • AP3 analysiert die Umsetzung auf Unternehmens- und Sektorebene und wie Erwartungen über das Verhalten anderer Akteure Unternehmensentscheidungen prägen.
  • AP4 bewertet die Umsetzung auf Länderebene in Kolumbien und Côte d’Ivoire entlang globaler Wertschöpfungsketten.
  • AP5 untersucht, wie die Einhaltung der Vorschriften berichtet und durchgesetzt wird und wie diese Durchsetzung mit den Erwartungen und Handlungen regulierter Unternehmen zusammenhängt.

Ziel des Projekts ist es, zur Theoriebildung über die politische Ökonomie von Erwartungen bei der Umsetzung transformativer Politiken beizutragen und zugleich neue empirische Erkenntnisse über die Umsetzung von Nachhaltigkeitsregulierungen in agrarischen Lieferketten zu gewinnen. Die Ergebnisse sollen sowohl wissenschaftliche als auch politische Wirkung entfalten, indem sie politischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern helfen, Nachhaltigkeitspolitiken zu gestalten, die Unternehmensverhalten besser antizipieren und dadurch wirksamer sind.

Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext 

Unser Ernährungssystem muss dringend sozialverträglicher und umweltfreundlicher wird. Dennoch ist es sehr schwierig, nicht nur Veränderungen in Nischen, sondern tatsächlichen Systemwandel zu erzeugen. Diese neuen, weitreichenden Gesetze könnten eine solche Wirkung entfalten - und unsere Forschung wird aufzeigen, warum dies (nicht) der Fall war, und Politikempfehlungen für verbesserte Ergebnisse erarbeiten.


EXPECT-AGRI Forschungsgruppe

Wissenschaftliche Kooperationspartnerin

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